Einleitung
Ich habe in den letzten Monaten einige Beiträge über Deeskalation geschrieben über Methoden, Strategien und die
innere Haltung, die dabei hilft, Konflikte zu entschärfen.
Doch manchmal zeigt sich eine andere Realität:
Die in der wir zu lange geschwiegen haben. In der wir versucht haben, den Frieden zu wahren und dabei uns selbst
aus dem Blick verloren. Wenn Gefühle unterdrückt werden, stauen sie sich.
Was zuerst wie Deeskalation wirkt, wird irgendwann zur inneren Belastung.
Manchmal glauben wir, wir tun das Richtige, wenn wir ruhig bleiben, Konflikte vermeiden und den lieben Frieden wahren.
Deeskalation gilt oft als Nonplusultra der Kommunikation: ruhig bleiben, nicht provozieren lassen, deuten statt aussprechen.
Und ja sie hat ihren Platz. Sie hilft, wenn Situationen zu kippen drohen, wenn Emotionen hochkochen oder Worte verletzen könnten.
Aber was passiert, wenn wir zu oft deeskalieren und uns dabei selbst übergehen?
Dieser Beitrag richtet sich an alle, die ihre Stimme zu lange zurückgehalten haben.
An die, die wissen, wie wertvoll Harmonie ist und dennoch spüren, dass sie auf der Strecke bleiben.
Wir werfen einen Blick auf die Grenzen der Deeskalation.
Und stellen dir eine Alternative vor, die dich nicht zum Rebellen macht
sondern zu einem authentischen Menschen: Das CLEAR-Prinzip von Conflectiv.
Deeskalation Eine wertvolle Methode mit Grenzen
Deeskalation hat ihren festen Platz im Konfliktmanagement. Sie hilft, Spannungen zu lösen, Gespräche sachlich zu halten
und Brücken zu bauen. Besonders in Führungssituationen oder im Kundenkontakt ist sie ein unverzichtbares Werkzeug.
Doch manchmal wird Deeskalation missverstanden. Sie wird zur ständigen Strategie auch dort, wo Konfrontation notwendig wäre. Man sagt lieber nichts, man schluckt den Ärger herunter, man setzt auf Hoffnung statt Klarheit.
🔹 Beispiel beruflich
Lisa arbeitet in einem Team, in dem eine Kollegin regelmäßig spitze Bemerkungen macht. Lisa schweigt sie will keinen Ärger, keine schlechte Stimmung. Doch innerlich wächst der Frust. Nach Monaten ist das Vertrauen weg nicht nur zur Kollegin, sondern auch zur Führungskraft, die nichts merkt.
🔹 Beispiel privat
Jonas lebt mit seinem Partner zusammen. Immer wieder werden seine Bedürfnisse übergangen.
Doch anstatt das anzusprechen, zieht sich Jonas zurück. Er deeskaliert aber verliert dabei seine Beziehung zu sich selbst.
👉 Die Grenze der Deeskalation ist dort erreicht, wo sie zur Selbstverleugnung wird.
Gefühle stauen sich -> Das innere Druckventil
Gefühle verschwinden nicht, nur weil wir sie nicht zeigen. Sie stauen sich auf. Sie wandern nach innen, verwandeln sich in Gereiztheit, Frustration oder sogar körperliche Symptome.
Vielleicht kennst du das: Du willst nicht streiten, aber nach Tagen des Schweigens reicht eine Kleinigkeit und alles fliegt dir um die Ohren.
Oder du bist ständig müde, ausgelaugt, unzufrieden ohne genau sagen zu können, warum.
Emotionen brauchen einen Ausdruck. Und manchmal braucht es das reinigende Gewitter nicht als destruktive Explosion,
sondern als bewusste, gewaltfreie Eskalation.
✨ Echte Klärung braucht echte Worte.
✨ Gefühle dürfen gespürt, verstanden und ausgesprochen werden.
Die Lösung: Klarheit statt Eskalation -> Das CLEAR-Prinzip
Damit wir klar bleiben können ohne zu verletzen, braucht es ein Werkzeug. Eines, das uns hilft, uns zu zeigen. Und dabei verbunden zu bleiben.
Das CLEAR-Prinzip:
C – Confront (Konfrontieren)
→ Erkenne, was ist. Schau hin. Was passiert da gerade wirklich außen und in dir?
L – Label (Benennen)
→ Gib deinem Gefühl einen Namen. „Ich bin enttäuscht, verletzt, wütend, traurig...“ Gefühle zu benennen, entlastet.
E – Explore (Erforschen)
→ Woher kommt das? Welche Bedürfnisse, Erfahrungen, Grenzen wurden verletzt?
A – Align (Ausrichten)
→ Was willst du stattdessen? Was ist dir wichtig? Was brauchst du wirklich?
R – Rise (Integrieren & handeln)
→ Jetzt wird es konkret. Du formulierst klar, was du willst. Und du bringst es in die Welt in einem Gespräch, einer Entscheidung oder einer Handlung.
📌 Das CLEAR-Prinzip ist keine Methode der Lautstärke. Es ist eine Einladung zu mehr Klarheit, Verbindung und echter Kommunikation.
Praxisbeispiele
💼 Beruflicher Kontext:
Ein Teamleiter merkt, dass zwei Mitarbeitende ständig aneinander geraten. Die Fronten sind verhärtet. Statt einem Gespräch mit beiden gemeinsam wählt er den CLEAR-Weg:
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Einzelgespräche (Confront)
-
Gefühle sichtbar machen (Label)
-
Motive und Bedürfnisse erkunden (Explore)
-
Neue Leitlinien gemeinsam definieren (Align)
-
Vereinbarungen verbindlich machen (Rise)
-> Ergebnis: Weniger Flurfunk, mehr Eigenverantwortung, mehr Verbindung.
🏠 Privater Kontext:
Mira spürt, dass sie sich in ihrer Beziehung zurücknimmt. Ihr Partner entscheidet vieles allein, sie bleibt still. Irgendwann platzt
es aus ihr heraus. Dieses Mal nutzt sie das CLEAR-Prinzip:
-
Sie erkennt die Muster (Confront)
-
Sie benennt, dass sie sich übergangen fühlt (Label)
-
Sie spürt ihre alten Erfahrungen wieder (Explore)
-
Sie sagt, was sie braucht – auf Augenhöhe (Align)
-
Sie spricht es aus – ruhig, aber klar (Rise)
-> Ergebnis: kein Drama. Sondern ein neues Kapitel.
Kritik ohne Krallen Wie man Feedback gibt, das gehört wird
Ein Sonderfall ist der Umgang mit Kritik und das Gefühl, sich angegriffen zu fühlen.
Viele Menschen reagieren empfindlich auf Rückmeldungen nicht weil sie schwach sind, sondern weil frühere Erfahrungen
sie geprägt haben.
Gerade dann hilft:
-
Ich-Botschaften statt Du-Angriffe
-
Verständnis für die Geschichte hinter dem Verhalten
-
Langsames Vorgehen statt Konfrontation mit der Tür ins Haus
Das CLEAR-Prinzip kann auch in Feedback-Gesprächen angewendet werden, um Klarheit zu schaffen, ohne zu eskalieren.
Für Führungskräfte empfehle ich aber dennoch auf das bereits etablierte Koala Prinzip für Kritikgespräche zurückzugreifen
besonders wenn das Gespräch Raum Benötigt. Das KOALA Prinzip habe ich ebenfalls gerne als Führungskraft angewendet.
Dafür gibt es hier auch einen Beitrag der weiterbringt.
Bonus: Deine persönliche CLEAR-PDF
🎁 Download für dich
Wenn du das Prinzip für dich anwenden möchtest, kannst du dir unsere kostenlose PDF-Vorlage sichern.
📄 Enthalten:
-
Selbstreflexions-Fragen zu jedem Buchstaben
-
Raum für deine persönliche Anwendung
-
Eine Mini-Checkliste für Gespräche mit Klarheit
Fazit
Klarheit ist keine Eskalation. Sie ist das Gegenteil von Verdrängung. Wenn du oft deeskalierst, aber dich selbst dabei verlierst,
ist es Zeit, einen neuen Weg zu gehen.
Das CLEAR-Prinzip gibt dir einen Kompass für Gespräche, für Beziehungen, für dein Leben.
Denn Klarheit schafft Nähe. Und Nähe entsteht, wenn du dich zeigst.
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